Theo Scharf

* 1899 in Melbourne bis † 1987

Biographie: Theo Scharf wurde am 15. Juni 1899 in Melbourne, Australien, als Sohn deutscher Eltern geboren. Sein Vater Eduard Scharf war Konzertpianist und Musiklehrer, seine Mutter Olive de Hugard förderte früh sein außergewöhnliches Zeichentalent. Bereits als Kind galt Scharf als Wunderkind – sowohl musikalisch als auch künstlerisch. Mit nur vierzehn Jahren erhielt er in Melbourne eine erste eigene Ausstellung, deren Einnahmen ihm später das Studium in Europa ermöglichten.

1914 zog Scharf nach München, das damals eines der wichtigsten Zentren der europäischen Kunst war. Dort entwickelte er sich zum Maler, Grafiker und Illustrator. Besonders bekannt wurde er durch seine Radierungen und düsteren Großstadtszenen der 1920er Jahre. In dieser Zeit entstand sein bedeutendstes Werkzyklus Night in a City, eine Serie von zwanzig Radierungen, die das nächtliche Leben einer modernen Metropole zeigen: Theater, Cabarets, Bars, Boxkämpfe, Straßenmädchen, Diebe und einsame Gestalten zwischen Vergnügen und Verfall. Seine Arbeiten erinnern teilweise an den Expressionismus und die Neue Sachlichkeit, zugleich besitzen sie eine fast filmische Atmosphäre.

Scharf beschäftigte sich nicht nur mit Malerei, sondern auch intensiv mit Druckgrafik. Viele seiner Werke zeigen das urbane Leben der Zwischenkriegszeit – rauchige Lokale, Menschenmengen, Nachtcafés oder gesellschaftliche Außenseiter. Seine Radierungen wie Cabaret, Prize Fight oder Rainy Weather vermitteln eine Mischung aus Eleganz, Melancholie und sozialer Beobachtung.

In den 1930er Jahren lehrte Scharf zeitweise als Professor für Zeichnung und Malerei an der Münchner Akademie der Bildenden Künste. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er als offizieller Kriegsmaler für Deutschland. Ein Teil seiner damaligen Werke entstand in Lazaretten an der Ostfront; viele dieser Arbeiten gelten heute als verschollen oder zerstört. Seine Rolle während dieser Zeit bleibt ein ambivalenter Teil seiner Biographie.

1943 reiste Scharf als Militärkünstler in die damalige Region Mazedonien und fertigte dort Zeichnungen und Aquarelle von Landschaften, Olivenbäumen und Menschen aus der Gegend um Thessaloniki an.

Nach dem Krieg lebte Scharf überwiegend weiterhin in Deutschland, kehrte jedoch zwischen 1950 und 1956 nochmals nach Australien zurück. Trotz seines frühen Talents und seiner internationalen Ausbildung geriet er später weitgehend in Vergessenheit. Erst Jahrzehnte später widmeten australische Museen seinem Werk wieder größere Ausstellungen, darunter Theo Scharf: Night in a City in Sydney.

Theo Scharf starb am 23. Juni 1987 in Feldafing in Bayern. Heute gilt er vor allem als faszinierender Chronist des urbanen Lebens der 1920er Jahre – ein Künstler zwischen Expressionismus, Großstadtpoesie und den Schattenseiten der Moderne.